Nebel und Tee

4. September 2018 1 Von Kristin

Seit fast 2 Wochen wohnen meine Mitfreiwillige Tilda und ich jetzt schon hier in Tablada de Lurín. Genau wie Villa el Salvador ist Tablada ein eher einfacher Bezirk im Süden von Lima, auch „pueblo joven“ („junges Dorf“) genannt. Vor allem während der 1980er Jahre ist hier die Bevölkerung aus den Anden in Hoffnung auf ein besseres und sichereres Leben hingezogen. Der Lebensstandard hier ist deutlich niedriger als zum Beispiel in Miraflores. Außerdem stechen wir hier als „Gringas“ sehr deutlich aus der Menge. Da kommt es schonmal vor, dass uns anstarrt oder auch laut gepfiffen wird.

Doch durch die herzliche Begrüßung unserer Chefin Gabi und ihrem Ehemann Dante haben wir uns direkt gut aufgehoben gefühlt. Während der Autofahrt vom Hostel in Miraflores nach Tablada de Lurín hatten wir schon den Status der „sobrinas de alemania“ (Nichten aus Deutschland) erreicht.

Ausblick in den Nebel von Tablada de Lurín von einem kleinen Hügel aus

Die Wohnung ist mehr als ausreichend für uns Zwei. Wir haben es uns hier mittlerweile schon gemütlicher eingerichtet und trinken schön fleißig Tee, damit wir nicht frieren. Denn wir müssen uns erst noch daran gewöhnen, dass es drinnen genauso kalt (15 Grad mit sehr hoher Luftfeuchtigkeit) wie draußen ist. Denn in Peru sind Heizungen nicht üblich. Auch von Sonne und blauer Himmel ist weit und breit nichts zu sehen. Falls uns doch mal ein Sonnenstrahl erreicht, können wir unser Glück kaum fassen.

Bei Nacht haben wir einen wirklich schönen Blick auf die Lichter Limas‘:

Innerhalb von Tablada de Lurín sind wir nur zu Fuß unterwegs und die wichtigsten Sachen können wir so auch super erreichen: unser Projekt, das Mittagessen, den großen Supermarkt und vieles mehr. Das ein oder andere Mal sind wir aber schon mit dem Mototaxi gefahren. Wobei ich allerdings etwas Angst hatte, dass im nächsten Moment alles auseinanderfällt – wenn wir mal wieder durch ein gigantisches Schlagloch hoppelten.

Der Nachbarbezirk „Villa el Savador“ ist auch gut zu erreichen und wir haben dort schon andere Freiwillige des Welthaus Bielefeld und das Meer besucht. Außerdem kann man dort wirklich alles finden. Besonders toll ist der riesengroße Markt auf dem man sowohl Obst, Gemüse und Fleisch als auch Anziehsachen, Bohrmaschinen und Geburtstagsdeko kaufen kann. Für mich war diese Vielfalt gleichzeitig sehr überfordernd und wunderbar interessant. Ich werde in Zukunft versuchen alles Nötige auf dem Markt, statt in dem Supermarkt bei uns um die Ecke, einzukaufen. Obwohl die Ordnung und die Übersichtlichkeit im Supermarkt ein bisschen Heimatgefühl auslöst.

Wir haben uns beide sehr schnell an die Umstände hier gewöhnt und haben jetzt schon so viel gesehen und erlebt, dass uns die 2 Wochen wie 2 Monate vorkommen. Letzens waren wir sogar überrascht, dass es in Villa el Savador Straßen mit Bürgersteig und ohne Schlaglöcher gibt… oder um es mit Tildas Worten zu sagen: „Ein schönes Viertel hier – so Straßen machen richtig was her.“